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Sind wir nicht alle ein bisschen Corona?

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Kennen Sie noch die Werbung aus den 90ern, als man im Fernsehen fragte, ob wir nicht alle ein bisschen BLUNA seien. Zwangsläufig muss ich in diesen Tagen an diese Frage denken. Adaptiert natürlich, denn aktuell denkt wohl kaum einer intensiv über irgendeine Orangenbrause nach.

„Sind wir nicht alle ein bisschen Corona?“ schwirrt es mir durch den Kopf. Und tatsächlich, dieses SARS-CoV-2-Virus hat uns alle getroffen. Noch vor einigen Tagen, als LTK-Präsident Michael Danz auf dem Jahrestreffen der Thüringer Karnevalisten die Worte „Scheiß auf Corona“ gebrauchte, brandete einhelliger Applaus im Saal auf. Wir Narren lassen uns nicht „coronisieren“, uns trifft das nicht, weil wir Narren sind, weil wir das deutsche, weltbeste Gesundheitssystem haben, weil es dieses Virus nicht über die Alpen schaffen wird. Nun, ein paar Wochen später, sind wir schlauer. Es hat uns getroffen, mit voller Wucht, uns alle, denn wer hätte sich je vorstellen können, dass im freiheitlich-demokratischen Deutschland jemals Ausgangssperren, Kontaktverbote verhängt werden und selbst unsere Parlamente nur noch als Ausnahme vom Versammlungsverbot dieses Land mit sachgerechten Entscheidungen aus der Krise führen sollen.

Dieses kleine Mistding, dieses Virus, auf das wir doch zuletzt noch gesch... haben, also das uns ziemlich am Allerwertesten vorbeiging, das lehrt uns nun, dass wir doch nicht unverwundbar sind. Jeder einzelne sowieso nicht, aber auch unsere sonst so leistungsfähige und unerschütterliche Gesellschaftsordnung.

Was lernen wir daraus?

Zunächst mal, dass wir die aktuellen Einschränkungen akzeptieren sollten. Es ist zwar nicht schön, gerade in den bald anstehenden Osterferien die (erweiterte) Familie, Freunde oder Vereinskameraden nicht treffen zu können, nicht zusammenzukommen und gemeinsam Ostern zu feiern. Aber wenn alle Experten in diesem Land unisono sagen, dass das die einzige Möglichkeit ist, unser Gesundheitssystem nicht zu überlasten, dann ist das wohl der richtige Weg.

Apropos Gesundheitssystem, auch da können wir lernen. Einerseits, wie wenig wir in Friedenszeiten wertzuschätzen wussten, was nun plötzlich unsere höchste Hochachtung verdient. Hoffentlich nehmen wir diese Wertschätzung mit in die Zeit nach Corona, wenn es darum geht, Pflegeberufe so attraktiv zu machen und zu halten, dass auch junge Menschen den Weg in eine solche Ausbildung finden. Wir brauchen diese Leute unbedingt, das zeigt sich in der Krise umso mehr und daher sollten wir dies auch nach der Krise nicht wieder vergessen. Andererseits ist wohl auch eine Erkenntnis, dass es eben keine Lösung ist, aus Kostengründen dringend nötige Medizin und Schutzkleidung im Ausland produzieren zu lassen. Denn bei aller Globalisierung, geraten die ausländischen Produzenten gleichermaßen in die Krise, funktionieren die sonst so zuverlässigen Handelsketten eben auch nicht mehr so reibungsfrei. Wir pumpen jetzt beispiellos viel Geld in den Erhalt unseres Wirtschaftssystems, was gut und richtig ist. Dann sollte es uns aber auch gelingen, ein Gesundheitssystem, dass ja bei aller Privatisierung doch irgendwie staatlich ist, so aufzustellen, dass wir für den Fall der Fälle weder auf Medizin noch Atemschutzmasken aus China hoffen müssen. Ein bisschen mehr Standortsicherung á la Wolfgang Grupps Trigema-Philosophie scheint da ein richtiger Ansatz.

Naja, und schließlich sollten wir mitnehmen, wie wertvoll unser soziales Miteinander doch ist. Sollten eben auch das mehr zu schätzen wissen. Uns weniger über Kleinigkeiten zanken und uns eben freuen, dass wir mit anderen Menschen im Austausch stehen, ein Bierchen gemeinsam trinken oder uns einfach in einem Restaurant zum Essen verabreden können. Und auch das traute Heim gehört zu unserem Glück dazu, denn wenn wir das nicht hätten, wären die Tage der Isolation doch noch trister, als es ohnehin schon ist.

In diesem Sinne will ich dann auch schließen, ich habe die Empfehlung meiner Frau, nicht mehr als 35 Worte zu gebrauchen, schon wieder fast 20-Fach überzogen.

Bleiben Sie gesund, bleiben Sie närrisch, bleiben Sie optimistisch und hoffen wir gemeinsam darauf möglichst bald und möglichst gut durch diese Krise zu kommen.

Es grüßt Sie herzlich

Ihr MKC e.V.

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