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Kommste vonne Schicht, wat schönret gibt et nich'

"... als wie hausgeschlacht'ne Wurst."

Ja, liebe Leserinnen und Leser, es war kein geringerer als der große Diether Krebs, der diese MKC-Weisheiten vertextet und wiederum kein geringerer als der wohl größte lebende deutsche Musiker, Herbert Grönemeyer, der unserem Wochenendsmotto eine Melodie gab.

Der MKC hat eine Schlachtetradition. Früher, so lehren uns unsere Vorväterinnen und Vorväter, wurde beim MKC geschlachtet und die produzierten Fleisch- und Wurstwaren wurden schließlich zu den Veranstaltungen verkauft. Unser letzter großer Schlachter, unser Ehrenminister Hans "Hanne" Wand ist nun leider schon eine Zeit verschieden und so hat auch die MKC-Tradition der eigenen Verwurstung eine kreative Pause erlebt.

Doch wie heißt es so schön: "Was eine Wurzel hat, treibt wieder aus". Oder eine Tradition braucht nur einen, der sich daran erinnert. Einer, der so ein Erinnerer war, war der erst vor einer Woche zu Grabe getragene Uli Hanemann. Oft hat Uli uns auf unsere Wurzeln hingewiesen - und er wusste verdammt viel aus der MKC-Historie. Und Uli war es auch, der den Vereinsgeist, das Miteinander auch außerhalb unserer karnevalistischen Aktivitäten einforderte.

Doch wie lässt man nun eine solche Tradition wiederaufleben, wenn man vom Schlachten gar keine Ahnung hat? Man sucht sich einfach jemanden, der das kann. Und so entstand die Idee zweier namentlich nicht erwähnter MKC-Vorstandsmitglieder, einen erfahrenen Schlachter zu akquirieren und ein MKC-Schlachten zu organisieren. Den Schlachteprofi zu finden war beinahe leichter als einen Termin. Denn mit Bernhard "Ube" Fritz wohnt ein solcher Profi ja in unserem Ort. Bei einem Zusammentreffen haben wir ihn also angesprochen und der Ube ist so ein Guter, der ließ sich nicht lange bitten. Unser Minister Martin Hanemann, so wussten wir, ist bei Ube in die "Lehre" gegangen und zwischenzeitlich gestandener Schlachtegeselle. Da erfolgreiche Vorhaben immer auch Unterstützer und Promoter brauchen, haben die beiden Initiatoren ihn kurzerhand ins Org-Team geholt und plötzlich wurde die Wiedergeburt der MKC-Schlachtetradition Gewissheit.

Für das gerade zu Ende gehende Wochenende wurde der Termin anberaumt. Doch wer denkt, dass nun die Sau nur noch durchs Dorf getrieben werden muss, der irrt. Ein Planungsabend bei Ube hat uns ganz schön zugesetzt: "Was wollt ihr alles herstellen?", "Wir brauchen mind. 200 Gläser!", "Da müsst ihr im Fleischerei-Fachbedarf Blasen, Därme, Räuchergold, Gewürze u.v.a.m.". Und selbst damit waren wir noch nicht am Ende. Denn schließlich stand noch die Frage nach einem Schlachtefest als gemeinsame Abendveranstaltung im Raum. Was soll da wiederum kredenzt werden? Zumindest eine Frage war ganz schnell beantwortet. Denn dass es unbedingt den Braumeisterschluck geben soll, war für die erfahrenen Schlachter (unser Vize Micha Kotylla hatte sich in Vorbereitung auf das MKC-Schlachten schon einmal bei Ube zu dessen Herbstschlachtfest eingemietet) sofort klar und der nötige Braumeisterschluck-Vorrat unmittelbar bestellt.

Ebenso klar war der gemeinsame Start am Freitagmorgen um 8:00 Uhr in Ubes Schlachteküche. Also musste vorher noch das Schlachtgut von dem Töttelstädter Fleisch- und Wurstwaren GmbH abgeholt werden und so machten wir uns optimalen um 7:00 Uhr auf nach Töttelstädt. Dort angekommen, hatte ich kurz Sorge, dass wir wirklich richtig Schlachtewurst machen können, als es plötzlich "Na, mein Hase" hieß. Zum Glück war damit nur der Martin gemeint, den eine junge Dame des Hauses eben so betitelte.

Mit unseren Schweinehälften, jeder Menge Leber, Nieren, Zungen, Bauch und Blut sowie etwas Frisch-Gehacktem und Backwaren aus dem nahegelegenen Zimmernsupra machten wir uns auf den Weg in die Schlachteküche.

Dort wurden von Ube schnell die Rollen verteilt: Er selbst und Martin waren die Zerleger, Micha und Marcus die Wurstschneider. Ach ja, noch einer hatte Sorge, wirklich beim Schlachten dabei zu sein. Unser Marco sammelte über das Wochenende hinweg jede Menge Erfahrung als Hausschlächter in der Fachrichtung Gemüse. Denn er und der "Alt-Schnippler" Hans-Joachim Jaritz waren ander Zwiebel-, Knoblauch- und Möhrenfront aktiv Was wäre schließlich die Wurst(Suppe) ohne die nötige Gemüse-Würzung?

 Nach unzähligen Stunden des Schneidens ging es dann schließlich doch um die Wurst. Genau genommen um die Knackwurst. Denn die wurde am ersten Tag noch in Därmen als Stracke und Rundwurst ebenso abgefüllt wie in Gläser. Und weil unser Fleisch wirklich noch Körpertemperatur hatte, als wir "verwursteten", können wir diese sogar als "Eichsfelder Art" bezeichnen, schließlich wird deren Wurst warm verarbeitet. Ein arbeitsreicher Tag ging dann bald zu Ende und wir mussten uns schnell erholen, denn am Samstag ab 8:30 Uhr sollte weiter gewurste(l)t werden.

Gestartet wurde mit einem Schlachtefrühstück, denn Ube nutzt traditionell die Zeit, bevor die Schlachtehelfer wieder auflaufen, zum Herstellen des Gehackten. Anschließend glühten die Schneidemesser für die Sülze und der Fleischwolf für Leberwurst und Rotwurst. Ube hatte alles bestens im Griff und teilte die Mannschaft nach ihren Fertigkeiten ein. So durfte Marco wieder einmal ran ans junge Gemüse (und beklagte, dass die Junghelfer des 2. Tages schon mit echtem Fleisch in Kontakt kamen), Flori durfte Blasen blasen und Blut rühren und unser Fast-schon-Geselle-Micha wolfte, mengerte und füllte ab. Nur den Wurstknoten - da hatte er noch Luft nach oben.

Alles lief wie am Schnürchen und so konnten wir uns bereits ab dem Nachmittag ans Reinemachen machen sowie das Schlachtefest für den Abend vorbereiten. Das startete dann pünktlich ab 18:00 Uhr und war der krönende Abschluss eines tollen Wochendes. Hatten unsere Initiatoren nach der im Verein nicht unüblichen vornehmen Zürückhaltung bei der Unterbreitung neuer Angebote etwas Sorge, es könnte vielleicht auf Sicht das erste und letzte Schlachten der Neuzeit gewesen sein, haben die beiden Tage alle Erwartungen übertroffen. Ein toller Zusammenhalt des Schlacht-Teams, traumhaftes Wetter außerhalb der Schlachteküche, ein gut besuchtes Abschlussfest sowie eine stetig zunehmende Nachfrage nach den Schlachtresultaten. Besser geht es kaum.

Im Rahmen des Schlachtefests stand dann auch die Diplomierung an: Lehrling Micha konnte wegen guter Leistungen seine Ausbildung vorzeitig abschließen und kann künftig mit seinem eigenen Schlachtemesser bei Ubes Hausschlachtungen mitmachen. Marco, Flori und Marcus wurden schließlich Hausschlächter (Marco natürlich nur in der Fachrichtung Gemüse 😂) und die Eintages-Helfer Frank, Martin W., Eddie, Lucas und Ali sind nun diplomierte Schlacht-Gehilfen. Eine besondere Auszeichnung wurde Hans-Joachim zuteil, denn er wurde für das bestandene 36. Lehrjahr geehrt.

Der Abend klang mit ein bisschen hausgemachter Musik, guten Gesprächen, Ideen für die neue Saison und unser nächstes Schlachten aus.

Apropos besser geht es nicht! Dass das MKC-Schlachtwochenende ein voller Erfolg war, lag nicht zuletzt an Ube und seiner Frau Bea nebst (Schwieger-)Vater Micha. Die 2 bzw. 3 haben uns das ganze Wochenende ertragen, versorgt, unterstützt, angeleitet, den Kessel befeuert und gerührt,auf höchstem Niveau "gastgefreundschaftet", kurzum: ohne Ube und seine Familie hätte es nicht einfach nur kein Schlachtfest gegeben, ohne sie wäre dieses Wochenende nicht so grandios gewesen, wie es am Ende war. Dafür gilt ihnen unser besonderer und ganz herzlicher Dank! Ihr wart großartig! Wir kommen gern wieder, wenn wir dürfen. Versprochen!